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wiki:westfalen

Westfalen

Das Wappen mit Westfalenross und der roten Erde Westfalens.

Als Westfalen wird heute der nordöstliche Landesteil Nordrhein-Westfalens bezeichnet, der im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen umfasst. Historisch, sprachlich und kulturell gehören zum Kulturraum Westfalen, dem vom sächsischen Teilstamm der Westfalen besiedelten Gebiet, darüber hinaus die im Land Niedersachsen gelegenen Regionen Grafschaft Bentheim, Emsland (südlicher Teil), Oldenburger Münsterland (südlicher Teil) und Osnabrücker Land. Das Westfälische zählt zu den niedersächsischen Mundarten (Dialekt).

Lage Westfalens

Lage Westfalens mit Lippe nach heute üblicher Definition als Landesteil von Nordrhein-Westfalen

Westfalen, Ostfalen, Ostwestfalen

Westfälische Häuser

Typisch westfälisches Vierständerhaus

(Hof Valepage, aus Delbrück, am heutiger Standort im Bauernhausmuseum Detmold)

Generalisierter Grundriss eines Westfalenhauses

a) Einfahrtstor
b) Seitentor
c) Feuerstelle
d) Diele
e) Flett
f) Stall
g) Stube
h) Futter
i) Gesinde
k) tragender Holzständer

Museen in Westfalens

Geschichte Westfalens

Erstmals taucht der Name Westfalai im Jahre 775 in den Fränkischen Reichsannalen als Bezeichnung eines Teilstamms der Sachsen westlich der Weser auf. Die alten Sachsen nannten den westlichen Teil ihres Stammeslandes Westfalen, den mittleren Engern, den östlichen Ostfalen. In alten Texten über das Sachsenland taucht ein Gau namens Fahala auf, aber kein Teilstamm namens Falen. Das altnordische Wort „fal(ah)“ bedeutet Feld, Land, flach und niedrig. Im Nationalismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde der wissenschaftlich unhaltbare Begriff „fälische Rasse“ gebraucht. Im Jahre 955 erhielt ein Graf des Lerigaus den Titel Graf von Westfalen. Er kann als Vorfahre der Grafen von Werl angesehen werden. Politisch bedeutsam wurde der Name Westfalen erst 1076, als die westfälischen Sachsen sich am Aufstand gegen Heinrich IV. beteiligten, und 1178/80, als Sachsenherzog Heinrich der Löwe zur Strafe für seine Auflehnung gegen Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Herzogswürde für den Westen des Herzogtums Sachsen an den Erzbischof von Köln abtreten musste. Seitdem trugen die Erzbischöfe von Köln auch den Titel „Herzog von Westfalen“.

Als Ausdruck gemeinsamer Vergangenheit ist das Sachsenross noch heute gleichermaßen das Wappentier Westfalens und Niedersachsens. Gemeinsamkeit zeigt sich auch in der ländlichen Bautradition. Das norddeutsche Fachhallenhaus, vom Niederrhein bis Hinterpommern weit verbreitet, ist sowohl als Westfalenhaus als auch als Niedersachsenhaus bekannt: Um eine zentrale Halle („Deele“) mit giebelseitigem Tor gruppierten sich rechts und links Ställe und andere Wirtschaftsräume, während sich die Wohnräume der Bauernfamilie am hinteren Ende befanden.

Während Adam von Bremen im 11. Jahrhundert noch die Ems als den östlichen Grenzfluss Westfalens betrachtete, charakterisierte im ausgehenden Spätmittelalter die Schedel’sche Weltchronik Westvalen als Gebiet zwischen Niederrhein und Weser, im Norden an Friesland grenzend, im Süden an das hessische Mittelgebirge. In einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wurden im Jahr 1260 die Interessengebiete beider Territorien voneinander abgegrenzt. Die Grenze verlief dem Vertrag zufolge bis nördlich von Nienburg entlang der Weser. Der südliche Teil des Weser-Ems-Gebiets wurde dem Einflussbereich Kurkölns zugerechnet.

Als 1512 auf dem Reichstag von Köln das Heilige Römische Reich in zehn Reichskreise eingeteilt wurde, nahm der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis das heutige Nordrhein-Westfalen vorweg, umfasste aber auch das heutige Niedersachsen westlich der Weser bis zur Nordsee. Westfälische Herrschaften wie der Territorialbesitz des Bistums Münster reichten weit nach Norden (Schloss Clemenswerth im Hümmling als bedeutendes Werk des westfälischen Barock).

Das von Napoleon I. für seinen Bruder Jérôme geschaffene Königreich Westphalen (1807–1813) umfasste nur die Südosthälfte Westfalens, dazu aber große Teile der heutigen Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen.

Seit dem Wiener Kongress 1815 beschränkte sich der Name Westfalen zunehmend auf dort dem Königreich Preußen zuerkanntes Gebiet. Bis dahin zu Westfalen gerechnete Gebiete nördlich davon kamen an das Königreich Hannover (Osnabrück, Bentheim und Emsland) und das Großherzogtum Oldenburg (Oldenburgisches Münsterland). Für den östlichen Teil der preußischen Provinz Westfalen, der dem Regierungsbezirk Minden entsprach, entwickelte sich der Begriff Ostwestfalen. Das Fürstentum Lippe (heute Kreis Lippe) blieb selbständig und wurde später ein eigenes Land im Deutschen Reich. Dieser zur historischen Landschaft Westfalen gehörende Landstrich behielt daher auch eine begriffliche Sonderstellung, seit er 1947 dem 1946 aus Teilen Preußens (Provinz Westfalen und Nordteil der Rheinprovinz) gegründeten heutigen Land Nordrhein-Westfalen beitrat: die Lippische Rose in dessen Landeswappen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie zusätzlich ein Landesverband Lippe und die Bezeichnung Ostwestfalen-Lippe (OWL) für den Regierungsbezirk Detmold.

Mit Erlass des preußischen Staatsministeriums vom 28. Februar 1881 wurde bestimmt, dass die Provinz Westfalen ein Wappen führen dürfe: das weiße steigende Westfalenross mit lockiger Mähne und hochgeschlagenem Schweif. In seiner historischen Fassung besteht das westfälische Wappen aus einem roten Schild, auf dem sich das Westfalenpferd befindet. Die aus graphischen Gründen zweckmäßige Haltung des erhobenen Pferdeschweifes gilt heute – im Gegensatz zum niedersächsischen Wappen – als wesentliches Charakteristikum des Westfalenpferdes. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe führt das westfälische Wappen in abgewandelter, modernisierter Version. Das westfälische Wappen ist zudem ein integraler Bestandteil des 1953 geschaffenen Landeswappens von Nordrhein-Westfalen.

Auch das 1868 in Iserlohn komponierte Westfalenlied gilt als eines der Symbole Westfalens. Eine westfälische Symbolfigur, die man vorwiegend im Münsterland kennt, ist der Kiepenkerl, ausgestattet mit weitem blauen Hemd (Kittel), rotem Halstuch, Holzschuhen und seiner Kiepe, einem Tragkorb, ebenfalls charakteristisch ist eine Tabakspfeife. Mit ihrer Kiepe auf dem Rücken zogen früher Krämer über Land und boten auf den Höfen wie in den Städten ihre Waren an. In Münster hat man dem Kiepenkerl ein Denkmal aufgestellt. Formale Ähnlichkeiten gibt es zum Leineweber-Denkmal in Bielefeld und dem Linnenbauer-Denkmal in Herford, die aber einen Weber darstellen, der seine Produkte in einem Holster zum Verkauf in die Stadt trägt.

Die meisten der heutigen Städte in Westfalen entstanden im Mittelalter. Fast flächendeckend bildete sich ein dichtes Netz von Orten mit städtischen Rechten. Später kam es im Zusammenhang mit der Industrialisierung zu einer sehr differenzierten Entwicklung. Einige Orte mit Stadtrechten etwa im Hochsauerland kamen über dörfliche Dimensionen nicht hinaus. Selbst Arnsberg als Sitz eines Regierungspräsidiums blieb eine kleine Stadt und wuchs erst mit der kommunalen Neugliederung 1975. Andererseits ist Soest, im Mittelalter eine der größten und bedeutendsten Städte Nordwestdeutschlands, heute nur eine Mittelstadt.

Im Ruhrgebiet führte die Montanindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer raschen Zunahme der städtischen Bevölkerung und damit zum Entstehen einer großstädtischen Verdichtungszone. Dazu zählen die Städte Dortmund, Bochum, Herne, Gelsenkirchen, Bottrop, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Gladbeck und Lünen. Infolge der Verlagerung des Kohlebergbaus nach Norden entstanden im 20. Jahrhundert entlang der Lippe weitere Industriestädte aus ehemals ländlichen Ortschaften. Südlich der Ruhr liegt eine Zone von industriell geprägten Städten wie Hagen im südöstlichen Teil des Ruhrgebietes sowie Iserlohn und Lüdenscheid im nordwestlichen Sauerland. Am Ostrand des Ruhrgebiets bildet Hamm einen Übergang in die ländliche Hellwegzone. Außerhalb des westfälischen Ruhrgebiets sind Münster und Paderborn wichtige Zentren für ihr Umland. Im südlichsten Teil Westfalens, dem Siegerland, bildet die Stadt Siegen einen ähnlichen Siedlungsschwerpunkt. In Ostwestfalen war die Verwaltungsstadt Minden längere Zeit ein ausgeprägtes Zentrum, sowie im Hochstift die beiden Städte Paderborn und Warburg. Später kamen mit der Industrialisierung Bielefeld, Herford und Gütersloh hinzu. Einige Städte, wie etwa Dortmund oder die historische Provinzhauptstadt Münster, haben für ganz Westfalen zentrale Funktionen.

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wiki/westfalen.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/05 08:11 von dwadmin